Osteopathische Medizin Aktuell
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Der neue Bachelor-Studiengang Osteopathie an der Steinbeis-Hochschule Berlin

Ein Interview mit Jürgen Gröbmüller, Vorsitzender der BAO und zweiter Vorstand des bvo.

Von Verena Eichhorn

 

Herr Gröbmüller, im Herbst startet ein neuer Studiengang für Osteopathen an der Steinbeis Hochschule Berlin, diesmal von bvo und BAO initiiert. Das ist nicht der erste Studiengang auf dem Markt, weitere Studiengänge von anderen Anbietern werden sicherlich folgen. Was bringen diese unterschiedlichen Angebote den Osteopathen?
Ihre Beobachtung ist richtig. Zur Zeit entstehen zunehmend mehr Studienangebote für Osteopathen. Damit laufen wir Gefahr auf akademischer Ebene den Fehler zu wiederholen, der vor Gründung der BAO auf Ebene der Schulen gemacht worden ist: Es gab keine einheitlichen Qualitätskriterien und keine bundesweit einheitliche Ausbildung. Für eine heilkundliche Tätigkeit, die eine Anerkennung als eigenständigen Beruf anstrebt, ist das extrem kontraproduktiv.
Erst mit Gründung der BAO und der Schaffung von einheitlichen Eckpunkten für ein Osteopathie-Curriculum konnte die notwendige Vereinheitlichung in der Osteopathie-Ausbildung erfolgen. Gegenwärtig bilden 14 Osteopathieschulen nach diesem Curriculum aus. Selbst einige Nicht-BAO-Schulen halten sich an unsere Eckpunkte.
Mit dem neuen Studiengang in Manual Medicine & Osteopathy, der im Herbst starten soll, wollen wir die einheitliche Ausbildung auf ein akademisches Level heben. Daran teilnehmende BAO-Schulen können dann Ihren Schülern ein zusätzliches Bachelorstudium anbieten, das diese im Idealfall zeitgleich mit ihrer Schulausbildung abschließen.

 

Was haben die Schulen davon?
Das ist zum einen natürlich ein Wettbewerbsvorteil gegenüber jenen Schulen, die kein Studiengang anbieten können oder wollen.
Aber ganz allgemein betrachtet müssen wir heute davon ausgehen, dass die Akademisierung in der Osteopathie auf lange Sicht die Existenz der Schulen gefährden wird. Die Hochschulen werden zunehmend mehr Ausbildung anbieten oder mit grundständigen Studiengängen diese ganz überflüssig machen.
Das Modell, dass wir hingegen entwickelt haben, baut auf der Kooperation zwischen Schulen und Hochschule auf. Damit wollen wir die bestehenden Ausbildungseinrichtungen in ihrer Qualität erhalten.
Wir wollen den praktischen Osteopathen, wie ihn die Schulen ausbilden, der sich durch sein Studium im Praxisalltag und Wettbewerb besser behauptet und wissenschaftlich mitreden kann.
  
Wie viele BAO-Schulen wollen ihren Schülern diesen Studiengang anbieten?
Es gibt bereits zwei BAO-Schulen die einen eigenen Studiengang anbieten.
Von den übrigen haben gegenwärtig 9 Schulen ihr Interesse bekundet, ab Herbst als sog. An-Institut Ihren Schülern den Bachelor of Science ab dem dritten Ausbildungsjahr anzubieten. An-Institut bedeutet, die Schule gilt als externes, eigenständiges Institut der campusfreien Steinbeis-Hochschule Berlin und kann den osteopathischen Anteil des Bachelor-Studiums selbst lehren. Davon profitieren die Schüler bzw. Studenten, die Ausbildung und Studium in den selben Räumlichkeiten absolvieren.

 

Was bringt ein Bachelor-Titel dem einzelnen Osteopathen in der Praxis? 
Da lassen sich im wesentlichen drei Aspekte hervorheben, die so oder ähnlich für alle osteopathischen Studiengänge gelten:
Zum einen vermittelt dieser Bachelor-Studiengang eine ganze Reihe an zusätzlichen Kenntnissen, konkret vertiefte Diagnostik- und Behandlungskompetenzen, wissenschaftliche Arbeitsmethoden sowie rechtliche, wirtschaftliche und ethische Inhalte. Damit trägt er zu einer Professionalisierung des angehenden Osteopathen bei und soll ihm erlauben besser im Berufsleben zu bestehen.
Der zweite Aspekt betrifft die Wahrnehmung durch Patienten, durch andere Therapeuten, aber auch durch Fachärzte, die ihre Patienten an den Osteopathen weitervermitteln. Ein akademischer Abschluss zeugt von mehr Kompetenz als ein Abschluss, der an einer privaten Osteopathieschule erworben wurde. Auch davon wird also der einzelne Osteopath in seinem Berufsalltag profitieren.   
Der dritte Aspekt betrifft die Osteopathie allgemein und ihren Stellenwert innerhalb des Gesundheitswesens. Die Akademisierung der Osteopathie wird jene Bereiche stärken, in denen die Osteopathie bis heute schwächelt: Wissenschaft und Forschung. Wir müssen nach wie vor die Wirksamkeit der Osteopathie in vielen Bereichen wissenschaftlich belegen und sind davon noch weit entfernt. 

      

Welche berufspolitischen Vorteile bringt ein solches Studium?
Ein Bachelor- oder Masterabschluss ändert erst einmal nichts an der rechtlichen Situation, die nach wie vor den Heilpraktikertitel vorschreibt um eigenständig Osteopathie praktizieren zu können.
Dennoch stellt die einheitliche Akademisierung einen weiteren Schritt in Richtung auf eine mögliche berufliche Anerkennung dar.

 

Welche Zulassungsvoraussetzungen gelten für den Studiengang?
Ab dem dritten Ausbildungsjahr können Osteopathieschüler den Bachelor-Studiengang in belegen. Voraussetzung ist, dass Ihre Schule An-Institut der Steinbeis-Hochschule ist. Bei einer fünfjähriger Ausbildungsdauer beenden sie Ausbildung und Studium im Idealfall gleichzeitig.  
Zugelassen sind natürlich auch fertig ausgebildete Osteopathen, soweit sie Inhaber einer BAO-Urkunde sind. Auch für sie beträgt die Studiendauer drei Jahre, wobei die erworbene osteopathische Ausbildung als Teil des Studiums angerechnet wird.
Fertig ausgebildete Osteopathen, die keine BAO-Urkunde haben, müssen sich einer Einzelfallprüfung unterziehen.

 

Welchen Anteil haben bvo und BAO am neuen Studiengang?
Das ganze Konzept wäre ohne eine Struktur wie die BAO gar nicht denkbar gewesen. Aber der bvo musste dieses neue Studienkonzept erst entwickeln um dann die Schulen davon überzeugen zu können. Der bvo hat vor allem in der Person von Bernhard Hartwig diese Entwicklung von Anfang an begleitet und fachlich unterstützt. Zudem hat der bvo einen wissenschaftlicher Mitarbeiter gestellt, der in Berlin mitgeholfen hat den Studiengang zu implementieren.

 

Liegen bereits Anmeldungen für den Studiengang vor?
Soweit ich weiß, gibt es bereits ein Dutzend Anmeldungen beim Institut für körperbezogene Therapien in München, das als sogenanntes Transfer-Institut den Studiengang für die Steinbeis-Hochschule Berlin organisiert. Ich denke, dass diese Zahl bis zum Herbst deutlich steigen wird.

 

Herr Gröbmüller, vielen Dank für das Gespräch!


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23.02.2012 - 06:51 - www.osteokompass.de/de-literatur-om.html

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